LETZTE AKTUALISIERUNG 09.02.2026
COPYRIGHT 2012-2026 DEUTSCHER DALMATINER VEREIN E.V.
D isproportionierter Zwergwuchs beim Dalmatiner – Ursachen, Symptome, Vererbung & Zuchtverantwortung Der disproportionierte Zwergwuchs beim Dalmatiner ist ein seit Jahrzehnten bekanntes, aber lange nur schwer sicher diagnostizierbares Gesundheitsproblem. Während betroffene Welpen in den ersten Lebenswochen unauffällig erscheinen, entwickeln sie später teils deutliche Fehlstellungen des Skeletts insbesondere der Vorderbeine. Erst seit 2025 ermöglicht ein validierter Gentest eine eindeutige Identifikation betroffener und trägerer Tiere. Historischer Hintergrund – die ersten dokumentierten Fälle Die ersten Fälle schwerer Skelettdysplasien, also Formen des disproportionierten Zwergwuchses beim Dalmatiner, wurden bereits in den frühen 1980er Jahren dokumentiert. In den folgenden Jahrzehnten traten europaweit einzelne weitere Fälle auf, wodurch das Problem zwar selten blieb, aber dennoch immer wieder Anlass zu züchterischer Vorsicht gab. Da lange kein Gentest existierte, waren Züchter über Jahre hinweg auf den Vergleich von Ahnentafeln angewiesen, um mögliche Träger einzugrenzen. Mit der Entwicklung des genetischen Nachweises ist diese Unsicherheit nun endgültig überwunden. Ursache & genetischer Hintergrund Beim Dalmatiner handelt es sich um eine Form des chondrodysplastischen Zwergwuchses, die das Knorpel- und Knochenwachstum beeinträchtigt. Andere Arten wie der hypophysäre Zwergwuchs konnten ausgeschlossen werden. Aktuelle Forschungsarbeiten identifizierten das PRKG2 Gen als ursächlich für die Erkrankung. Der Erbgang ist autosomal - rezessiv, das bedeutet, dass beide Elternteile das defekte Gen an ihre Nachkommen weitergeben müssen, damit Welpen daran erkranken können. Das Gen beeinflusst das Wachstum und die Differenzierung von Chondrozyten. Bei Defekten entwickeln sich Elle und Speiche nicht gleichmäßig – die typische Grundlage der Fehlstellungen. Symptome & klinische Merkmale In den ersten 8 Lebenswochen sind betroffene Welpen äußerlich nicht von ihren Geschwistern zu unterscheiden. Erst mit dem weiteren Wachstum zeigen sich typische Merkmale: zunehmende Krümmung der Vorderbeine, ähnlich dem Radius curvus Syndrom, teilweise kürzerer Hals, verkürzte Rute, weicheres Fell, im Röntgenbild: ungleichmäßiges Wachstum von Elle/Speiche, reduzierte Verkalkung der Wachstumsfugen. Einige Hunde entwickeln zusätzlich Gelenkprobleme wie Hüftdysplasie oder leichte Muskelatrophien. Diagnose Früher war eine sichere Diagnose nur durch die Beobachtung körperlicher Veränderungen möglich. Seit Juni 2025 existiert jedoch ein validierter Gentest (Laboklin / Universität Uppsala), durch den: Träger eindeutig identifiziert werden können, Vermutungen auf Basis von Abstammung entfallen, die Zuchtplanung erheblich sicherer ist. Behandlungsmöglichkeiten Eine ursächliche Therapie gibt es aufgrund der genetischen Grundlage nicht. Die Behandlung erfolgt symptomorientiert: orthopädische Betreuung Physiotherapie chirurgische Korrekturen bei schweren Fehlstellungen Gewichtsmanagement Die Ausprägung der Symptome variiert. Leicht betroffene Hunde können bei guter Betreuung eine gute Lebensqualität erreichen, während schwere Fälle früher teils eingeschläfert werden mussten. Lebenserwartung & Lebensqualität Viele betroffene Dalmatiner mit milden Ausprägungen können ein aktives, weitgehend normales Leben führen. Entscheidend ist eine frühzeitige orthopädische Begleitung. Schwere Fälle können jedoch deutliche Einschränkungen im Bewegungsablauf entwickeln. Zucht & Verantwortung – Der DDV e.V. als Vorbild Der DDV e.V. geht mit dem Thema disproportionierter Zwergwuchs vorbildlich und äußerst verantwortungsvoll um. Alle Zuchttiere werden genetisch getestet Seit 2025 werden alle Zuchttiere von LABOGEN oder FERAGEN getestet, bevor sie zur Zucht zugelassen werden. Bis heute keine Fälle im DDV e.V. Im gesamten DDV e.V. sind bis heute keinerlei Fälle von disproportioniertem Zwergwuchs dokumentiert. Ebenso sind im DDV e.V. keine Trägerlinien bekannt, die diese genetische Variante weitergeben könnten. Höchste Transparenz und Zuchtethik Der Verein informiert seine Mitglieder kontinuierlich über neue wissenschaftliche Erkenntnisse und sorgt dafür, dass Züchter konsequent nach modernen genetischen Standards arbeiten. Die strikte Testpraxis ermöglicht zugleich Gesundheitssicherung und Erhalt der genetischen Vielfalt. Fazit Der disproportionierte Zwergwuchs beim Dalmatiner ist eine seltene, aber wichtige genetische Erkrankung, deren Risiken heute dank moderner Diagnostik sicher beherrschbar sind. Durch das Wissen um die ersten Fälle aus den 1980er Jahren, der Einführung des PRKG2 Gentests und das verantwortungsvolle Handeln des DDV e.V. ist die Zucht in unserem Verein auf einem hohen gesundheitlichen Niveau – zum Wohle der gesamten Rasse.